So ein Mist! Käfer!

Um nach North Carolina zu gelangen, entscheiden wir uns, von Washington DC in Richtung Shenandoah Nationalpark zu fahren. Wer kennt es nicht, das Lied «Country Roads», das den Shenandoah River und West Virginia besingt. Wir folgen der bekannten Melodie. Zwar liegt der Nationalpark in Virginia, macht aber nichts. Die Route sei eine der schönsten in Amerika, zusammen mit dem anschliessenden Blue Ridge Parkway, den wir auch befahren. Jan und Pia laufen ein Stück auf dem berühmten «Appalachian Trail», Ramon und ich warten auf dem nächsten Lookout. Doch wehe, was sehen und hören wir? Eine Armee von Tausenden von Käfern belagert sofort unser Wohnmobil! Drinnen tönt es, als würde es regnen. Offenbar dient unser Gefährt als ideale Landebahn. Wir können uns praktisch nicht wehren und als die beiden Wanderer zurückkommen, scheint eine Seitenwand ganz schwarz zu sein! Vor dem Abfahren verteiben wir zwar den weitaus grössten Teil der ungebetenen Gäste, aber bei jedem Stopp kommen aus irgend einer Ritze Dutzende von weiteren Käfern heraus, diese Mistkäfer! So schleppen wir das Ungeziefer übers Land, sogar auf dem Wal-Mart Parkplatz 100 Kilometer entfernt kommen sie heraus. Wir wussten gar nicht, dass unser Wohnmobil so viele Ritzen und Schlupflöcher hat ... Nur gut, dass die Temperaturen langsam fallen, so wird es für die Käfer ungemütlich und wir haben – hoffentlich! – Ruhe.
Virginia 0060 beetle

Washington DC

Nach den eindrücklichen Beobachtungen der Hirschbrunst (siehe Ramons Beitrag!) in Benezette Pennsylvania gehts weiter in Richtung der Hauptstadt Washington DC. Maryland haben wir kurz durchfahren und entscheiden uns, mit der Metro in die Stadt zu fahren. Alle, inklusive die Reisebücher raten dazu. Die vier Tagespässe sind mit insgesamt 56 Dollar zwar recht teuer, dafür habe ich keinen Stress mit Rumkurven und Parkieren!
Das Weisse Haus erscheint mir irgendwie kleiner als vorgestellt. Klar, man kennt die Bilder, aber irgendwie macht es mir weniger Eindruck als erwartet. Zum Glück ist Montag, so hat es weniger Touristen. Nicht vorzustellen, wenn hier etwas los ist, dann wird es wohl richtig eng bei den wenigen Orten, wo man Blick auf das berühmte Gebäude hat. Überall stehen Autos des Secret Service, Agenten wie aus den Filmen mit schwarzen Sonnenbrillen säumen den Weg. Ich glaube, so will es auch das Publikum ...
In Arlington wird uns auf dem National Cemetary die Sinnlosigkeit der kriegerischen Gewalt deutlich vor Augen geführt. 250'000 Gräber sind hier in Reih und Glied angeordnet, so wie die Männer lange Zeit ihres Lebens auch gestanden sind! Mir fällt einmal mehr auf, dass vor allem die Befehlshaber Kriege überleben, so hat ein Oberst (siehe Galerie!) den 2. Weltkrieg, Korea und Vietnam überlebt. Ich frage mich, wie vielen Soldaten in den dreckigen Schützengräben und in den Urwäldern Asiens dies auch gelungen ist?
Campingsuche
Am Abend beginnt unsere Odyssee auf der Suche nach einem Campingplatz. Pamela, so nennen wir unsere GPS-Lady schickt uns zuerst auf einen geschlossenen State Park, dann zweimal ins Nirgendwo, bevor wir uns entschliessen, zum ersten Mal das Angebot von WAL-MART anzunehmen und uns auf dem riesigen Parkplatz niederlassen. Es ist zwar recht laut, dafür muss man keine Angst haben, von irgend einem Security-Man weggewiesen zu werden. Wir werden dies in grösseren Städten wieder machen!
 
 
Washington DC 0020 WhiteHouse  Washington DC 0045 Arlington

Reparatur

Seit ein paar Tagen habe ich das Gefühl, dass der hintere Teil unseres Wohnmobil viel zu weit nach unten durchhängt. Bestärkt wir die Vermutung, nachdem wir zweimal bei einer Bodenwelle mit dem Hinterteil (des Wohnmobils!) aufsetzen und den Abwassertank beschädigen. Zudem drehen die Vorderräder beim Anfahren bei einer Steigung und bei nasser Fahrbahn durch. Nicht gemütlich, vor allem, da wir daran denken, noch weitere neun Monate unterwegs zu sein ...
In Buffalo wage ich es also, mich in einer Garage schlau zu machen, denn hier sind wir in einer Grossstadt. Nicht auszudenken, was passiert, wenn die Aufhängung hinten irgendwo im Kakao draussen den Geist aufgibt!
«Das wird interessant!», meint Tim, als er den Fiat sieht und kratzt sich hinter den Ohren. Nach mehrmaligem Ausprobieren und Studieren machen wir $ 650.- für das Einschieben einer dritten Federplatte aus. Wir denken darüber nach, werweissen, ob wir die Reparatur machen sollen oder nicht, übernachten auf dem Garagengelände und lassen die ganze Geschichte am folgenden Tag machen. Ein Telefonanruf in die Schweiz an Matthias via Skype überzeugt mich. Ob es sich wirklich gelohnt hat, werden wir erst am Schluss unserer Reise wissen, aber unser Reismobil hat wieder sichere Distanz zum Boden, die Räder haben im Radkasten auch wieder genügend Platz. Für den Moment bin ich froh, dass wir die Reparatur gemacht haben...
 
English short version:
Since a couple of days I have the feeling that our RV is too deep, that the back springs aren't good enough anymore. Since we are in Buffalo, a big city, we find a spring shop which repairs it. I don't want to know what we were doing if the springs broke in the middle of nowhere... We get rid of 650 bucks. I hope it was worth it! We won't find out until the end of our trip! For the moment I'm happy we did it as our RV seems to be ok again!
New York 0490 Buffalo Tim

Ontario/Toronto

Wir entscheiden uns, wieder nach Kanada zu fahren, einerseits um die Fälle von dort aus zu sehen, andererseits in Toronto den CN-Tower zu sehen und zu befahren. Das machen wir auch! Bei den Fällen beginnt es zu regnen. Schade, hätte nicht sein müssen, da es in den vergangenen 9 Wochen praktisch nie geregnet hat. So fahren wir zum Bronte Creek State Campground. Extrem teuer, dafür schön nah zu Toronto. Ramon und ich sehen uns die Blue Jays gegen die Red Sox an. Das Spiel ist wenig spektakulär, eher langweilig. Am Schluss steht es 2:3. Pia und Jan gehen shoppen und suchen vergebens ein Buffet in Chinatown. Am zweiten Tag Toronto fahren wir den CN Tower rauf und sehen die Stadt von oben. Doch nicht genug, wir beschliessen, die Niagarafälle am gleichen Abend noch beleuchtet zu sehen. Dies ist kitschig aber schön. Müde kommen wir durch den amerikanischen Zoll, ohne Schwierigkeiten innerhalb von wenigen Minuten und schlafen spät aber gut am 4 Mile Creek State Campground.
 
English:
We decide to make a short detour to Toronto to see the CN tower. Ramon and I see a ballgame. It was boring, the Blue Jays lost 2-3 against the Boston Red Sox. We return to Niagara Falls to see the falls at night. We return late and tired at 4 Mile Creek State Campground without hassles at the US border.

Adirondacks

Die Adirondacks sind ein riesiges Waldgebiet im Staate New York. Unter anderem liegt auch der Olympiaort Lake Placid dort. Schon zweimal wurden die Olympischen Spiele dort ausgetragen, 1932 und 1980. Wir besuchen die Bobbahn und die Sprungschanzen. Die Bobbahn ist uns definitiv zu teuer, dafür sind an der Sprungschanze die Freestyleschanzen in Betrieb. Das russische Nationalteam trainiert waghalsige Sprünge ins Wasser, auch Ashley vom amerikanischen Team trainiert mit, wir sprechen mit ihr. Der Ausblick vom Anlaufturm der Grossschanze ist atemberaubend. Aber ich habe es mir fast ein bisschen «gfürchiger» vorgestellt. Nun weiss ich, wie Simon Ammanns Aussicht aussieht. Der Unterschied ist nur, dass ich keine sportliche Grosstat vollbringen muss und kein Publikum auf mich wartet...
Das Boyscout Camping ist weitläufig. Wir parkieren dort an einem See im Tupper Lake Gebiet während zwei Nächten und müssen nichts bezahlen. Wir beobachten Loons und Frösche, am Morgen steigen malerische Nebel aus dem Wasser, am Abend färbt die Sonne die ersten roten Blätter im Wald blutrot. Bei aller Idylle vergessen wir fast, Diesel zu tanken und so kommen wir fast noch ins Schwitzen, denn die Minimarkets, die laut Navi die für den Motor kostbare Flüssigkeit anbieten, sind alle wohl seit Jahren geschlossen. Teilweise sieht man nur noch das Gerippe der Tanksäulen. In praktisch letzter Minute finden wir doch noch eine Dieseltankstelle, weil wir wieder einige Meilen zurückfahren.
Wir beschliessen, das Tempo wieder zu erhöhen und schnurstracks Richtung Niagara Fälle zu fahren. So nehmen wir die Interstate 90, was nicht wirklich schön, dafür schnell ist. Am Lake Ontario übernachten wir im Hamlin State Park, ehe es auf der amerikanischen Seite zu den berühmten Fällen geht. Wir werden beim Parking so richtig abgezockt (Tipp: Nicht den „Helfern" vertrauen! Zwei Querstrassen weiter für 2 Stunden gratis am Strassenrand parkieren!!!). Das wir es nicht besser wissen, zahlen wir halt die 10 Dollar statt der angeschriebenen 5... Es stiebt gewaltig, hat um diese Jahreszeit nicht allzuviele Touristen. Ich erinnere mich, dass ich 1988 von der kanadischen Seite mehr von den Fällen gesehen habe. Wir wissen aber zu diesem Zeitpunkt noch nicht, ob wir nochmals nach Kanada zurückkehren oder nicht.
 
English short version
We spend some days in the Adirondacks, where we visit Lake Placid, the Olympic winter place. We almost run out of Diesel. We decide to drive faster direction Niagara Falls and spend 2 nights on the shore of Lake Ontario, in Hamlin Beach State Park and 4 Mile Creek State Campground. In Niagara Falls we get ripped off for a parking lot in. If you go there just park your car 2 blocks from the falls along the street. 2 hours are free... Don't follow the touts! I remember that the falls looked better from the Canadian side 25 years ago. At this time we don't know if we return to Canada or not.

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